Dolomiten 25

Nach fast unglaublichen fünfzehn Jahren schafften es Roli, Hias und ich endlich wieder, mehrere Tage am Stück gemeinsam zu klettern – alpin und an den großen Wänden.

Am ersten Tag starteten wir an der Ciavazes mit einem der Klassiker, der Schubert. Das kalte Wetter zwang uns, auf der Südseite zu bleiben, und so kletterten wir am nächsten Tag am Lastori di Formin eine neuere, gut gebohrte Route – ebenfalls ein echter Klassiker.

Da wir ohnehin schon in der Nähe von Cortina waren, kam uns die Tofana in den Sinn. Also stiegen wir am folgenden Tag in die Constantini/Ghedina ein. Die ersten Seillängen waren noch angenehm sonnig an der südseitigen Wand, doch bald zogen Wolken auf, die sich an der fast 800 Meter hohen Wand festsetzten und den ganzen Tag nicht mehr verschwanden. So wurde aus einer Südwandtour eine „Frösteltour“ mit Nordwandcharakter.

Nach rund acht Stunden erreichten wir – etwas müde, aber glücklich – den Ausstieg dieser Riesenwand. Beim Abstieg über den Wanderweg braute sich bereits ein Gewitter zusammen, und kaum zehn Minuten, nachdem wir das Auto erreicht hatten, prasselten Hagel und Regen nieder. Wir saßen lachend drinnen, ein Bier in der Hand, und dachten an die zwei Seilschaften, die mit uns in der Wand gewesen waren – sicherlich zwei bis drei Stunden hinter uns. Tatsächlich schafften sie den Ausstieg erst bei völliger Dunkelheit.

Nach so viel Abenteuer beschlossen wir, unsere gemeinsame Zeit mit einer gemütlichen Lagazuoi-Tour ausklingen zu lassen.

Eine wunderbare Zeit – als hätten die fünfzehn Jahre dazwischen nie existiert.